Neuer Campus "Città di Cremona“ des Politecnico di Milano

Wo Geschichte auf Zukunft trifft – im Zeichen des Lichts

Jahr2025
OrtEhemalige Manfredini-Kaserne, Cremona, Italien
AnwendungFassaden, Wege und Treppen, Landschaft
Light planningArchLight
ArchitekturAndrea Carcereri

Ein neues Leben für die ehemalige Manfredini-Kaserne

Fünf Jahrhunderte Geschichte leben heute an einem einzigen Ort. Zwischen restaurierten Gebäuden aus dem 15. Jahrhundert, neuen Lehrbereichen und Wegen durch weitläufige Grünflächen erweckt der neue Campus „Città di Cremona“ des Politecnico di Milano die alte, ehemalige Manfredini-Kaserne zu neuem Leben und verwandelt den historischen Komplex in ein zeitgemäßes Universitätszentrum für Lehre, Forschung und studentisches Leben.

Entstanden aus der Zusammenarbeit zwischen der Fondazione Arvedi Buschini und dem Politecnico di Milano, zeichnet der Architekt Andrea Carcereri von ArchLight für das Architektur- und Lichtkonzept verantwortlich. Das Projekt betraf ein Areal von rund 30.000 m² und mehr als 9.000 m² Grünflächen. So entstand ein neuer Campus, der Innovation, Nachhaltigkeit und die Aufwertung des historischen Erbes miteinander verbindet.

Das Hauptziel bestand darin, einem Ort wieder Funktion und Lebendigkeit zu verleihen, der im Laufe der Jahrhunderte mehrfach seine Nutzung geändert hatte: von einem Kloster über eine Militärkaserne bis hin zu einer langen Zeit des Leerstands. Heute beherbergen die restaurierten historischen Gebäude Hörsäle, Labore, Verwaltungsbüros, ein Auditorium, eine Bibliothek, eine Mensa und Servicebereiche für Studierende. Ergänzt werden sie durch einen Neubau für die Lehre, der nach höchsten Nachhaltigkeitsstandards konzipiert wurde.

In diesem Dialog zwischen Erinnerung und Moderne wurde auch dem Licht eine grundlegende Rolle zuteil: Es trägt dazu bei, Kontinuität zwischen Gebäuden, Freiflächen und Menschen zu schaffen.

 

Licht gestaltet Wege und Begegnungsräume

Der große Zentralpark ist das pulsierende Herz des Campus. Hier begleitet das Licht das tägliche Leben von Studierenden, Lehrenden und Gästen – es weist ihnen den Weg und lädt auch in den Abendstunden zum Verweilen ein.

Für die Beleuchtung von Gehwegen und Begegnungsbereichen wurden die Pollerleuchten Linear 2.1 und 2.2 in der Oberflächenausführung Anthrazit mit asymmetrischer Optik gewählt. Entlang der Hauptwege kommen die höheren Ausführungen mit 800 mm zum Einsatz, während in den Aufenthalts- und Verweilplätzen die Varianten mit einer Höhe von 250 mm verwendet wurden. Das Licht wird kontrolliert auf die Lauffläche gelenkt und garantiert so Sicherheit und Orientierung, ohne zu blenden.

An einigen strategischen Punkten des Wegesystems wurden zudem Linear-Ausführungen mit zweiseitigem Lichtaustritt installiert. Diese erhellen gleichzeitig die Vorder- und Rückseite der Leuchte und verbessern auf diese Weiste die Übersichtlichkeit der Freiräume.

Das Augenmerk auf den Sehkomfort zeichnet auch die Innenhöfe des historischen Komplexes aus. Hier wurden die niedrigeren Pollerleuchten Linear 2.1 in der Nähe der Mauern installiert. Sie säumen die Wege mit einem weichen, kontrollierten Licht, das eine effektive Orientierung bei Nacht gewährleistet, ohne Blendung zu verursachen.

 

Architektur zur Geltung bringen, ohne sie zu überladen

Einer der interessantesten Aspekte des Lichtkonzepts ist die Fähigkeit, unterschiedliche Architektursprachen zu inszenieren und zugleich eine starke Gesamtkoheränz zu wahren.

Am zentralen Platz werden die Fassaden des Mensagebäudes durch die Boden-Einbauleuchten Bright 2.4 in Edelstahl mit 34°-Optik angestrahlt. Die von unten nach oben gerichteten Lichtkegel akzentuieren das Mauerwerk, bringen dessen Proportionen und Materialität zur Geltung und unterstützen eine eindeutige visuelle Hierarchie im Außenraum.

Die geschichtsträchtigeren Bauten mit den Hörsälen, Forschungslaboren und der Bibliothek werden stattdessen durch die in den Boden eingelassenen Linearprofile Tago mit elliptischer 20°x49°-Optik und Entblendungssystem in Szene gesetzt. Die kontrollierte Lichtverteilung ermöglicht eine gezielte Beleuchtung der vertikalen Flächen, vermeidet Streuverluste und minimiert die Blendung bei der Durchquerung des Campus.

Mit einer einheitlichen Farbtemperatur von 3000K sorgt das Projekt für eine warme, einladende Atmosphäre, die die Orientierung erleichtert und den kontinuierlichen Dialog zwischen historischer Bausubstanz und moderner Architektur wahrt.

Unter den neuen Räumen des Campus befindet sich auch das Studierendenwohnheim Ada Byron, benannt nach der britischen Mathematikerin, die als erste Programmiererin der Geschichte gilt. In den Fluren und Arkadengängen des Gebäudes kommen Metope 2.2-Leuchten in Anthrazit zum Einsatz. Sie sind an den metallischen Zugbändern installiert und fügen sich perfekt in die Architektursprache des Bauwerks ein.

Dank des zweiseitigen Lichtaustritts von 21°+52° betont die schmalere Optik die Säulen des Arkadengangs, während die breitstrahlende die oberen Gewölbe illuminiert, was den architektonischen Rhythmus nachzeichnet und den Verkehrswegen optische Tiefe verleiht.

Auf dem neuen Campus ‚Città di Cremona‘ geht Licht weit über das reine Sichtbarmachen von Räumen hinaus. Es begleitet das soziale Miteinander, bringt die Architektur zur Geltung und schafft eine Verbindung zwischen der Geschichte dieses Ortes und seiner Bestimmung für die Zukunft.

 

Wenn der Tag dem Abend weicht, erzählt das Licht die Geschichte dieses Ortes weiter: eine Geschichte, die vor über fünf Jahrhunderten begann und heute in die Zukunft weist. Zwischen alten Mauern und neuen Ideen setzt jeder Lichtstrahl ein dezentes Zeichen des Wandels, der Nacht für Nacht Wissen, Begegnungen und Zukunftsperspektiven von morgen erhellt.